Beim Dengeln, um 1905 
schwarze, weiße Kreide und Bleistift 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
ab 15. Mai 2010
 
25 Jahre Käthe Kollwitz Museum Köln
ein Sammlungsüberblick mit Neuerwerbungen
 
Das Käthe Kollwitz Museum Köln beherbergt dank 25 Jahren engagierter Sammeltätigkeit den heute weltweit umfangreichsten Bestand von Werken der Künstlerin. In die aktuelle Sammlungsausstellung thematisch eingebunden sind Neuerwerbungen der letzten Jahre, die erstmalig dem Publikum präsentiert werden.
 
Einen Höhepunkt unter den Neuerwerbungen stellt das bis dato unbekannte, für das Kollwitz-Werk bedeutende Studienblatt Beim Dengeln dar. Mit seinem Erwerb konnten die Vorzeichnungen zum Zyklus Bauernkrieg (1903-1908) komplettiert werden, so dass nun die Entwicklung der Motive für jeden Druck des Zyklus sichtbar gemacht werden kann. 
 
Eine Zeichnung, die das Museum erst kürzlich erwerben konnte, zeigt einen Jungen, der seinen kleinen Bruder füttert. Von der Künstlerin als "Volksküche" betitelt, handelt es sich hier offenbar um eine Situation in einer Suppenküche, wie es sie verstärkt seit Kriegsende und der Inflation in Berlin gab – ein Thema, das leider auch heute wieder aktuell ist. Seit 1926 findet sich im Werk von Käthe Kollwitz eine Vielzahl von Darstellungen, die typische Situationen aus dem Leben von Kindern festhalten. Hier ist wohl auch diese bisher unbekannte kleine Zeichnung einzuordnen.
Volksküche, 1926-1928
schwarze Kreide auf Ingres-Bütten
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
 
Der Ankauf eines Zustandsdruckes erweitert die Sammlung um einen gerade für die museumspädagogische Arbeit wichtigen Aspekt. In direkter Gegenüberstellung des zweiten und dritten Zustandes der Radierung Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern wird deutlich, wie die Künstlerin schrittweise druckgraphische Techniken miteinander kombiniert, um den gewünschten Ausdruck zu erzielen.
 
In Ergänzung zur Zeichnung Zwei Frauen befindet sich nun auch ein weiteres Blatt aus einer Reihe von Leichenschauhaus-Studien, die 1919 entstanden, im Besitz des Museums: Mann mit hängenden Armen, dahinter Frau mit Kind. Wie alle Zeichnungen dieser Serie weist sie einen nervösen, angestrengten Zeichenduktus auf, der die Anteilnahme der Künstlerin mit den Dargestellten, die sich mit dem Tod eines lieben Menschen konfrontiert sehen, widerspiegelt.
 
Weitere Neuerwerbungen sind in der aktuellen Ausstellung in ihre jeweiligen Themenkreise eingebunden. Zu sehen sind u. a. eine Zeichnung aus dem Umfeld des Simplicissimus, Arbeiten zum Krieg und zu sozialen Themen während der Weimarer Republik, sowie eine Entwurfsvariante zum Holzschnitt Tod mit Frau im Schoß (1921).
 
In unseren öffentlichen Führungen jeden Sonntag um 15.00 Uhr stellen wir unsere Neuerwerbungen ausführlich vor und geben darüber hinaus einen Überblick über die weltweit größte Kollwitz-Sammlung.