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Mutter schützt ihr Kind I und II,
1941

Käthe Kollwitz, Mutter schützt ihr Kind I, Modell spätestens Oktober 1941 fertiggestellt, Guss wohl 1951, Bronze, 172 x 174 x 42,5 mm, Seeler 41 I.B.1., Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70100/86006 und Mutter schützt ihr Kind II, Modell spätestens Oktober 1941 fertiggestellt, Guss wohl 1951, Bronze, 179 × 172 × 52,5 mm, Seeler 42 I.B.1., Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70100/86007 © Kollwitz Museum Köln, Foto: Goldberg/Fuis. 
Käthe Kollwitz, Mutter schützt ihr Kind I, Modell spätestens Oktober 1941 fertiggestellt, Guss wohl 1951, Bronze, 172 x 174 x 42,5 mm, Seeler 41 I.B.1., Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70100/86006 und Mutter schützt ihr Kind II, Modell spätestens Oktober 1941 fertiggestellt, Guss wohl 1951, Bronze, 179 × 172 × 52,5 mm, Seeler 42 I.B.1., Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70100/86007 © Kollwitz Museum Köln, Foto: Goldberg/Fuis. 

Die beiden Reliefs gehören – wie viele der Plastiken von Käthe Kollwitz – zum Themenkreis des Schutzmotivs. Mitten im Zweiten Weltkrieg entstanden, sind sie eine weitere und gleichzeitig letzte plastische Umsetzung dieses Themas.

Das Motiv der aktiven Sorge um das Wohl der Kinder, die von ihren Müttern vor allerlei Gefahren geschützt werden, wird von der Künstlerin mehrfach grafisch, aber auch plastisch formuliert. Stärker noch aber als auf dem Holzschnitt »Die Mütter« aus der Folge »Krieg«, beim »Turm der Mütter« und erst recht bei der berühmten Lithografie »Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden« scheinen Leib und Leben der auf den Reliefs gestalteten Kinder unmittelbar in Gefahr zu sein. Zumindest lässt das heftige Weinen des Kindes und der gehetzte Blick der Mutter auf Relief I darauf schließen, dass hier eine lebensbedrohliche Situation vorliegt. Darin weist es eine sehr viel größere Nähe zu der vermutlich als Studie zu einem Holzschnitt 1922/23 entstandenen Zeichnung »Mutter, sich über ihre bedrohten Kinder stürzend« auf, die von Kollwitz als »Fliegerbombe« betitelt wurde.

In den Büchern der Bildgießerei Noack, bei der Kollwitz Zinkgüsse der Reliefs in Auftrag gibt, sind diese unter dem Titel ›Fliegerbombe‹ geführt, was sicher auf die Angabe der Künstlerin selbst zurückgeht. Damit greift sie das im Nachgang des Ersten Weltkriegs formulierte Motiv wieder auf und stellt es nun in Bezug zur aktuellen Situation in Berlin – den Luftangriffen der Alliierten und die Todesängste der Menschen, die mit Käthe Kollwitz zusammen in den Luftschutzräumen Zuflucht suchen.

Wenngleich das Relief II eine wesentlich ruhigere Komposition aufweist, wird es doch zeitgleich mit dem anderen entstanden sein, da sie offenkundig als Pendants konzipiert sind. Beziehen sie sich doch bei etwa gleicher Größe auch in Ausrichtung der Mutter nach rechts bzw. nach links aufeinander.

Werke im Kontext

Käthe Kollwitz, Die Mütter, Blatt 6 Folge »Krieg«, 1921/22, Holzschnitt, 340 x 400 mm, Kn 176 VII b, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/92016.
Käthe Kollwitz, Die Mütter, Blatt 6 Folge »Krieg«, 1921/22, Holzschnitt, 340 x 400 mm, Kn 176 VII b, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/92016.
Käthe Kollwitz, »Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden«, 1941, Kreidelithografie (Umdruck), 370 x 395 mm, Kn 274, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/87024.
Käthe Kollwitz, »Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden«, 1941, Kreidelithografie (Umdruck), 370 x 395 mm, Kn 274, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/87024.
Käthe Kollwitz, Fliegerbombe (Mutter, sich über ihre bedrohten Kinder stürzend), 1924/25, Pinsel in Tusche auf Bütten, 250 x 350 mm, NT 960, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/84012.
Käthe Kollwitz, Fliegerbombe (Mutter, sich über ihre bedrohten Kinder stürzend), 1924/25, Pinsel in Tusche auf Bütten, 250 x 350 mm, NT 960, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/84012.