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Zyklus »Bauernkrieg«,
1901–1908

Käthe Kollwitz, Zyklus »Bauernkrieg«, 1901–1908, Kollwitz Museum Köln 

Die Motive zu den Bauernkriegsblättern sind nichts literarisch irgendwoher Geholtes. Nachdem ich das kleine Blatt mit der darüberfliegenden Frau gemacht hatte, beschäftigte mich dasselbe Thema noch länger und ich hoffte, es einmal so darstellen zu können, daß ich damit fertig wäre.« 

Käthe Kollwitz, Tagebuchblätter und Briefe, Berlin 1948

Wie bei ihrer ersten druckgrafischen Serie »Ein Weberaufstand« wendet sich Käthe Kollwitz auch bei ihrem zweiten Zyklus einem historischen Ereignis zu, angeregt durch die 1843 erschienen Abhandlung des Theologen und Historikers Wilhelm Zimmermann über den großen deutschen Bauernkrieg im 16. Jahrhundert. Indem sich auch sozialdemokratische Kreise auf diese Lektüre berufen, wird deutlich, dass der große deutsche Bauernkrieg von 1524/25 für das liberal-sozialistische Umfeld von Käthe Kollwitz keine weit entlegene Vergangenheit bedeutet, sondern Aktualität besitzt.

Die Revolte der Bauern hatte die Aufhebung von Standesunterschieden und die Abschaffung des Frondienstes zum Ziel. Die Künstlerin überträgt das Sujet als nicht historisch definierte Darstellung von Leid und Unterdrückung in die Gegenwart, um damit auf die Zustände ihrer eigenen Zeit anzuspielen. In sieben Szenen führt sie durch den historischen Bauernkrieg – und setzt damit zugleich die zeitgenössische Revolte der Arbeiterschaft ins Bild.

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Der narrative Aufbau ihres Zyklus »Bauernkrieg« entspricht dem ihrer Folge »Ein Weberaufstand«: Nach der Schilderung der Ursachen in Blatt eins und zwei hat das dritte Blatt die Planung der Revolte zum Inhalt. Die anschließenden beiden thematisieren den Ausbruch und die letzten den Zusammenbruch des Aufstandes.

Anfänglich plant Käthe Kollwitz, wohl unter dem Eindruck ihrer ersten Parisreise 1901, den Zyklus als farbige Lithografien. Als sie jedoch 1904 durch Vermittlung von Max Lehrs, Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinettes, von der ›Verbindung für historische Kunst‹ beauftragt wird, den Zyklus als Jahresgabe der Vereinigung zu schaffen, beschließt sie die Folge als Radierungen auszuführen. Die sieben Blätter des Bauernkriegszyklus sind eindrucksvolle Zeugnisse der innovativen technischen Virtuosität der Künstlerin.

Aufgrund der überzeugenden Bildlösungen der meisterhaft gedruckten Blätter wird Käthe Kollwitz 1907 als erster Frau und Grafikerin noch vor Fertigstellung des Zyklus der von Max Klinger begründete Villa-Romana-Preis verliehen.