Nachdem ihr jüngerer Sohn Peter zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 als Freiwilliger fällt, vollzieht Käthe Kollwitz einen schmerzhaften Wandel hin zum Pazifismus:
Peter, alle stellten ihr Leben unter die Idee der Vaterlandsliebe. Dasselbe taten die englischen, die russischen, die französischen Jünglinge. Die Folge war die Verarmung Europas am Allerschönsten. Ist also die Jugend in all diesen Ländern betrogen worden?«
1918 tritt die Künstlerin Richard Dehmels Aufruf zum letzten Kriegsaufgebot in einem offenen Brief, der im Vorwärts (28.10.) und zwei Tage später auch in der Vossischen Zeitung (30.10.) veröffentlicht wird, entgegen:
Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen! Ich berufe mich gegen Richard Dehmel auf einen Größeren , welcher sagte: ›Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden‹.«
Neben ihrer Holzschnitt-Folge »Krieg« entstehen im Umfeld, auch bereits während des Ersten Weltkrieges, Grafiken und Zeichnungen gegen den Krieg. Dies setzt sich nach der Machtergreifung Hitlers, als ein neuer Weltkrieg droht, vor allem auch mit plastischen Werken fort. Da Käthe Kollwitz aber seit 1935 inoffizielles Ausstellungsverbot hat, sind solchen Arbeiten eine Breitenwirkung versagt.
Infolge des Kriegsausbruches greift die Künstlerin erneut das Zitat »Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden« in einer Lithografie auf. Sie soll es 1941 in ihren Tagebüchern als ihr Testament bezeichnen.