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Zeitstrahl —
Käthe Kollwitz

1891—1900
Auf dem Weg zum Erfolg

Vita

Das Schwarz-Weiß-Porträt zeigt die Brustansicht von Hans Kollwitz als Student, mit schmalem Gesicht und ernsthaftem, melancholischem Blick. Er trägt eine Brille mit runden Gläsern und sein kurzes, helles Haar ist glatt zur Seite gescheitert. Seine Kleidung besteht aus einem dunklen, fein gestreiften Sakko über einer hellen Weste und einem weißen Hemd mit einer kunstvoll verknoteten, dunklen Krawatte.
Hans Kollwitz als Student, 1913, Fotograf unbek., Reproabzug, Nachlass Kollwitz, Kollwitz Museum Köln, Archiv, Inv. Nr. 02.a-10.

Geburt des ersten Sohnes Hans Kollwitz (1892–1971).

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Der ältere Sohn der Künstlerin wird 1928 Schularzt und später Seuchendezernent in Berlin. Er lässt sich nach dem Zweiten Weltkrieg vorzeitig pensionieren und stellt seine Arbeit in den Dienst am Werk seiner Mutter. 

⁢Hans Kollwitz veröffentlicht erstmals ihre Tagebücher und Briefe in Auswahlbänden, unterstützt Ausstellungen und gibt einen Band mit Fotografien der plastischen Werke von Käthe Kollwitz heraus.

Geschichte

Frankreich und Russland gehen ein Geheimes Militärbündnis ein.

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Infolge der Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages mit dem Deutschen Reich kommt es nach dem geheimen Militärbündnis am 4. Januar 1894 zu einem förmlichen Bündnisvertrag. Damit tritt die von Bismarck stets gefürchtete Zweifrontenlage ein – eine Situation, die mitverantwortlich ist für den Ersten Weltkrieg.

In Berlin gründet sich die künstlerische Vereinigung der XI.

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Die Künstlergruppe gehört zusammen mit der sich ebenfalls 1892 konstituierenden Münchner Secession zu den bedeutendsten Künstlergvereinigungen in Deutschland, die sich vom konservativen Kunstbetrieb lösen.  Die Vereinigung der XI ist ein wichtiger Vorläufer der Berliner Secession.

1892

Vita

Das Bild zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Regula Stern (1894–1978) als junge Frau, die in einem hellen, locker fallenden Oberteil vor einem Geländer im Freien steht. Sie blickt mit leicht geneigtem Kopf lächelnd nach unten, während ihr dunkles, leicht lockiges Haar vom Wind ein wenig zerzaust wird. Im unscharfen Hintergrund sind die Umrisse städtischer Gebäude und ein Turm unter hellem Himmel zu erkennen.
Regula Stern (1894–1978), 1912, Fotograf unbek., Reproabzug, Nachlass Kollwitz, Kollwitz Museum Köln, Archiv, Inv. Nr. F 02.c-38 (ed.)

Käthe Kollwitz’ Nichte Regula Stern (1894–1978) wird geboren.

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⁢Die älteste Tochter ihrer Schwester Lisbeth und deren Mannes Georg ist Schauspielerin, gibt diesen Beruf jedoch 1922 auf und wird Ärztin. ⁢Unter den Nationalsozialisten muss sie als Halbjüdin ihre Praxis in Berlin schließen und kann nur als Heilgehilfin arbeiten. Regula Stern betreut Karl und Käthe Kollwitz medizinisch im Alter. Nach 1945 nimmt sie ihren Arztberuf wieder auf.

Geschichte

In Berlin gründet sich der Bund deutscher Frauenvereine unter dem Vorsitz von Auguste Schmidt (1833–1902). Der Dachverband der bürgerlichen Frauenbewegung will für eine bessere Vernetzung sorgen.

1894

Vita

Dieses Porträt von 1919 zeigt Katharina Stern (1897–1984), alias Katta Sterna, als junge Frau in einer klassischen Seitenansicht, wobei sie ihren Kopf sanft über die Schulter zum Betrachter dreht. Ihr helles, lockiges Haar ist elegant hochgesteckt, was ihre feinen Gesichtszüge und ihren ruhigen, klaren Blick betont. Sie trägt ein dunkles Oberteil mit einer feinen Raffung am Ausschnitt, das sich deutlich von dem weichen, schattierten Hintergrund abhebt.
Katharina Stern (1897–1984), alias Katta Sterna, 1919, Foto: Madame d’Ora (?), Reproabzug, Nachlass Kollwitz, Kollwitz Museum Köln, Archiv Nr. F 02.c-44.

⁢Käthe Kollwitz’ Nichte Katharina Stern (1897–1984) wird geboren.

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Unter dem Namen Katta Stern ist dritte Tochter von Lisbeth und Georg Stern als Tänzerin erfolgreich. Unter dem nationalsozialistischen Regime erhält sie 1933 Aufführungsverbot in Deutschland. Ihr Mann Walter Herrendörfer (1900–gef. im II. Weltkrieg) wird zur Organisation Todt eingezogen. ⁢Da ihre Emigration in die USA scheitert, muss sie sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und lebt fortan mit ihrer Mutter zusammen, die sie bis zum Tode pflegt.

Werk

Käthe Kollwitz, Weberzug, Bl. 4 aus dem Zyklus »Ein Weberaufstand«, 1893-1897, Strichätzung und Schmirgel, 216 x 295 mm, Kn 36 II a, Kollwitz Museum Köln, Inv.Nr. 70300/84002.
Käthe Kollwitz, Weberzug, Bl. 4 aus dem Zyklus »Ein Weberaufstand«, 1893-1897, Strichätzung und Schmirgel, 216 x 295 mm, Kn 36 II a, Kollwitz Museum Köln, Inv.Nr. 70300/84002.

Käthe Kollwitz vollendet den Zyklus »Ein Weberaufstand« (1893–97).

Bereits für die erste Präsentation der Druckfolge auf der Großen Berliner Kunstausstellung im Jahr 1898 erhält sie große Anerkennung und wird zur namhaften jungen Künstlerin. ⁢

1897

Vita

Die Künstlerin wird auf Betreiben von Max Lehrs und Max Klinger auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden mit einer silbernen Plakette ausgezeichnet.

Werk

Kollwitz nimmt an der ersten Ausstellung der Berliner Secession teil.

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Die Zugehörigkeit zur Berliner Secession ermöglicht der Künstlerin die Teilnahme an zahlreichen weiteren Ausstellungen im In- und Ausland. So kann Kollwitz zwei Werke auch auf der V. Ausstellung der Wiener Secession präsentieren. Dort erwirbt die Albertina das Blatt »Ende«, Kn 38, aus dem Weberzyklus und legt damit den Grundstein für ihre Kollwitz-Sammlung.

Kollwitz verdankt ihre Einladung zur Berliner Secession sicher Max Liebermann, dem Präsidenten der im Jahr zuvor gegründeten Künstlervereinigung. Die Berliner Secession ist die erste deutsche Kunstvereinigung, die aufgrund des zunehmenden Interesses an Maler-Radierungen und autonomen Zeichnungen ab 1901 Schwarzweiß-Ausstellungen veranstaltet. Bis zur Auflösung der Berliner Secession im Jahr 1913 ist Käthe Kollwitz regelmäßig beteiligt.

Käthe Kollwitz, Begrüßung, 1892, Strichätzung und Kaltnadel, 118 x 88 mm, Kn 13 I, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/95013.
Käthe Kollwitz, Begrüßung, 1892, Strichätzung und Kaltnadel, 118 x 88 mm, Kn 13 I, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/95013.

Durch die Veröffentlichung ihrer Radierung »Begrüßung«, Kn 13, in der Zeitschrift »Pan« wird der Künstlerin eine frühe Würdigung zurteil. Sie plant für die Publikation zunächst ein farbig lithografiertes Selbstbildnis, Kn 46. Da ihr diese Arbeit – ihre erste Farblithografie überhaupt – schließlich nicht gelungen erscheint, reicht sie die Radierung »Begrüßung« ein, die 1892 anlässlich der Geburt ihres Sohnes Hans entstanden ist.

⁢⁢⁢Die 1895 gegründete Berliner Zeitschrift »Pan« für Kunst, Dichtung, Theater und Musik mit beigebundener Originalgrafik ist ein bedeutendes Organ des Jugendstils in Deutschland.

Käthe Kollwitz, Aufruhr, 1899, Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Pinselätzung, Schmirgel und etwas Roulette, 299 x 318 mm, Kn 46 I, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/96009.
Käthe Kollwitz, Aufruhr, 1899, Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Pinselätzung, Schmirgel und etwas Roulette, 299 x 318 mm, Kn 46 I, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/96009.

Die Radierung »Aufruhr«, Kn 46, entsteht als erste Auseinandersetzung von Käthe Kollwitz mit dem Thema ›Bauernkrieg‹. 

⁢Die Grafik mit einer allegorischen Verkörperung der ›Freiheit‹ an der Spitze der Barrikadenkämpfer wurde zunächst auch unter dem Titel »Bauernkrieg« veröffentlicht und wohl erst nach dem Erscheinen des gleichnamigen Zyklus 1908 umbenannt. 

1899