Käthe Kollwitz begann 1893, tief beeindruckt von der Uraufführung des Hauptmannschen Dramas "Die Weber" auf der "Freien Bühne", die Arbeit an ihrem Zyklus "Ein Weberaufstand" und brach dafür die begonnene Folge zu Zolas Roman "Germinal" ab.

Der Erfolg der Aufführung war sensationell, die Ergriffenheit der Besucher beispiellos. Das Verhalten der Zensurbehörden sowie diverse Prozesse um die Aufführungserlaubnis des Stückes machten Hauptmanns Weber schnell zu einem der bekanntesten und meistdiskutierten naturalistischen Theaterstücke Deutschlands.

Allerdings handelt es sich bei Kollwitz` Zyklus keineswegs um Illustrationen des Dramas, noch schildert sie die historische Weberrevolte von 1844, die dem Drama zugrunde liegt, sondern sie zeigt einen fiktiven Weberaufstand aus der Gegenwart. Eine Hungersnot unter den schlesischen Webern 1891/92 hatte zu einer gewaltigen Pressekampagne im ganzen Kaiserreich geführt und die Thematik Anfang der 1890er Jahre aktuell gemacht.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Käthe Kollwitz` Weberzyklus für die Obrigkeit als genauso subversiv galt wie Hauptmanns Drama und weshalb ihr Kaiser Wilhelm II. 1898 für diesen Zyklus auf der "Großen Berliner Kunstausstellung" eine Medaille verweigerte.
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