Um 1900 erlebte Käthe Kollwitz (1867–1945) in Berlin eine Kunstszene im Wandel. Neue Perspektiven – insbesondere die Begegnung mit den Werken der französischen Moderne in der Berliner Secession – verliehen der Künstlerin nachhaltige Impulse für ihr eigenes Schaffen. In ihrem Vortrag zeigt Miriam Stauder, wie diese Eindrücke Kollwitz' Bildsprache prägten und welche Bedeutung die alternative Berliner Kunstszene für die Entwicklung ihres Werks hatte.
Mit der Berliner Secession, die 1899 als Abspaltung vom konservativen Akademiebetrieb gegründet wurde, entstand ein neuer Raum für moderne Kunst und innovative Ausdrucksformen. Käthe Kollwitz beteiligte sich regelmäßig an den Ausstellungen der Künstlervereinigung, bei der Frauen erstmals von Beginn an dazugehörten. Die Beschäftigung mit den Arbeiten ihrer Zeitgenoss:innen erweiterte ihren Blick auf die Möglichkeiten ihres künstlerischen Ausdrucks und gab ihr wichtige Anregungen. Die Secession wurde damit zu einem prägenden Umfeld, das Kollwitz’ künstlerische Position innerhalb der Moderne nachhaltig beeinflusste.