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RE: Kollwitz
Bildstörung #2

RE: KOLLWITZ. Die Klasse für Fotografie, Prof. Heidi Specker / HGB Leipzig, Titelbild zur Ausstellung von 29.9. — 15.11. 2026, Motiv: Takeki Hayashida, Aber die Landschaft ist noch schön, 50 x 40 cm, Buchbinderkarton, Fine Art Print, 2026 © Takeki Hayashida 2026
Takeki Hayashida, Aber die Landschaft ist noch schön, 50 x 40 cm, Buchbinderkarton, Fine Art Print, 2026 © Takeki Hayashida 2026

Klasse für Fotografie, Prof. Heidi Specker
HGB Leipzig

Jana Ehls | Jonas Erler | Benjamin Friedle | Takeki Hayashida | Lucie Löchel | Heidi Specker | Stephen Stahn | Anita Olarescu

29.9. — 15.11.2026

RE: steht für regarding [engl.], bezugnehmen auf – und zugleich für Weiterdenken und Neuinterpretieren. 

Im Studienjahr 2025/26 hat sich die Klasse für Fotografie von Heidi Specker an der HGB Leipzig intensiv mit Kollwitz auseinandergesetzt. Ergebnis sind 19 Arbeiten in verschiedenen Medien – von Skulptur über Fotografie und Film bis Installation. 

Acht dieser Beiträge sind nun als BILDSTÖRUNG im Rahmen der Ausstellung KOLLWITZ Ausgewählt. im Kollwitz Museum Köln zu sehen. 

Das Bild zeigt drei Aufnahmen als Standbilder aus einem Film, der in der Berliner Kunstgießerei Noack — Hermann Noack GmbH & Co. KG — entstanden, ist. Dort wurden noch zu Lebzeiten und später posthum Bronzeskulpturen von Käthe Kollwitz gegossen wurden.
Jonas Erler, Von der Hand zur Form zum Körper zur Hand, 16mm Film, digitalisiert, Videoprojektion, 2026, Kamera: Luis Maria Weindl, Sound: Rebecca Häfner, Grafik: Ricardo Sander, Sounddesign / Musik: Arno Selle © Jonas Erler, 2026

Die Positionen nähern sich Kollwitz aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Künstlerin, als Frau, als Zeitzeugin oder als politisch engagierter Mensch.

Sie beziehen sich auf ihr Werk, auf ihre künstlerischen Techniken ebenso wie auf ihre Selbstzeugnisse in Tagebüchern, Briefen sowie auf Fotografien. Entstanden sind Formen der Auseinandersetzung, die persönlich sind, ohne privat zu bleiben. 

Manche greifen Kollwitz‘ Bildsprache oder Motive auf, andere untersuchen die materiellen Bedingungen ihres Schaffens, die Person hinter dem Werk oder Leerstellen in ihrem Œuvre.

Was sie eint, ist der Versuch, Kollwitz nicht allein historisch zu betrachten, sondern ihre Themen und ihre Haltung aus der Gegenwart heraus neu zu befragen.

Preview: Drei aus acht

Jana Ehls richtet den Blick auf das Fehlende und untersucht Leerstellen in Kollwitz’ plastischem Werk sowie das Verhältnis von Fotografie und Skulptur. Fotografien und Dokumente belegen die Existenz von über 40 Plastiken, von denen die meisten während des Krieges oder durch Kollwitz selbst zerstört wurden.
»Was fehlt (VIII)« nimmt hierbei direkten Bezug zur verworfenen Fassung des Grabdenkmals »Trauernde Eltern« und öffnet damit den Dialog zu heutigen Themen des Krieges, Gedenkens und Verlierens.

Jana Ehls, Was fehlt (VIII), 60 x 88 x 5 cm, Gips, Plexiglas, Fine Art Print, Wandobjekt, 2026 © Kunstsammlungen Chemnitz, Jana Ehls 2026
Das schwarz-weiß-Bild zeigt ein Gipsrelief mit zwei tief gebeugten Figuren, die sich in schwerem Kummer eng aneinanderdrücken. Ein Arm liegt schützend über der Schulter des Partners, während ihre beiden Köpfe kraftlos nach vorne sinken und sich berühren. Die raue, blockhafte Struktur der Oberflächen verstärkt den Eindruck von tiefer Trauer und gegenseitigem Halt.
Käthe Kollwitz, Grabrelief »Trauernde Eltern«, verworfene Fassung eines Grabdenkmals für den Soldatenfriedhof Roggeveld, Belgien, 1917–18, Gips, getönt, Maße unbek. (lebensgroß?), Abbildung aus: Käthe Kollwitz. Das plastische Werk, Fotos von Max Jacoby, hrsg. von Hans Kollwitz, Vorwort Leopold von Reidemeister, Hamburg 1967, Repro: Kollwitz Museum Köln

Anita Olarescu bezieht sich mit ihrem Künstlerbuch auf ein Porträtfoto der Künstlerin von Hugo Erfurth aus dem Jahr 1927. Sie deutet die Krawatte als Symbol männlich konnotierter Autorität, mit der Kollwitz ihre Identität und Geschlechterrollen bewusst relativiert.

Das Bild zeigt zwei Seiten eines Leporellos, beide hochformatig. Links ein Kollwitz-Porträt des Fotografen Huge Erfurth, rechts grafisch gestaltete Texte, u.a. Tagebuch-Einträge von Käthe Kollwitz.
Anita Olarescu, Sichtweisen, 42 x 21 cm, Leporello, Digitaldruck, 2026 © Anita Olarescu 2026
Das Schwarz-Weiß-Porträt zeigt Käthe Kollwitz mit hellem, nach hinten gekämmtem Haar in einer nachdenklichen Pose. Sie blickt mit ernstem, melancholischem Ausdruck leicht am Betrachter vorbei, während sie ihren Kopf auf ihre rechte Hand stützt. Bekleidet ist sie mit einer dunklen Bluse und einer hellen, gemusterten Krawattenschleife vor einem ruhigen, dunklen Hintergrund.
Hugo Erfurth (1874–1948), Porträt Käthe Kollwitz, 1927, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Heidi Specker: »Mein Portrait einer Frau, B. F., hat 2016 einige Ausstellungsbesucher (v)erschreckt, verstört, irritiert. Das Bild sei zu direkt, zu ehrlich, zu ungeschönt. Aber gerade das war doch das Thema, mein Thema dieser Fotografien. Das Prekäre ganz direkt in meinem persönlichen Umfeld. Sozial, emotional, existentiell ... im Sein.
Von Käthe Kollwitz höre ich Zuspruch. Die Spannung des Prekären ist verloren, wenn der Besucher sich beim Betrachten wohlfühlt… Realismus fordert. Im Zeigen und im gezeigt werden.« 

Dieses Schwarz-Weiß-Porträt zeigt eine Frau mit hellem, langem Haar, die im Dreiviertelprofil vor einem neutralen, dunklen Hintergrund nach links blickt. Sie hat eine nachdenkliche oder ernste Mimik und trägt eine offene, weich fallende Jacke über einem dunklen Oberteil. Das Licht fällt von vorne auf ihr Gesicht und hebt ihre feinen Gesichtszüge sowie die Struktur ihrer Kleidung sanft hervor.
Heidi Specker, In Front Of, B.F., 69 x 46 cm, Piezography K7 Archival Print, 2016 © Heidi Specker 2026
Käthe Kollwitz, Arbeiterfrau, 1906, Kohle auf Ingres-Bütten, 620 x 474 mm, NT 406, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/97006.
Käthe Kollwitz, Arbeiterfrau, 1906, Kohle auf Ingres-Bütten, 620 x 474 mm, NT 406, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/97006.

Bildstörung

So sehr die Arbeiten von Käthe Kollwitz in Ausdruck und Botschaft unverwechselbar für sich stehen, so deutlich zeigt der Blick in die Geschichte wie auch in die Gegenwart, wie stark ihr Werk in einen fortwährenden künstlerischen Dialog eingebunden ist. Dieser Dialog reicht von einer allgemein thematischen, motivischen sowie technischen Nähe der Arbeiten anderer Künstler:innen aus allen Jahrhunderten bis hin zu einer konkreten Bezugnahme späterer Generationen auf Käthe Kollwitz. 

In unserer neuen Ausstellungsreihe Bildstörung zeigen wir ab 2026 Positionen von Künstler:innen, die auf unterschiedliche Weise mit den Werken Kollwitz´ interagieren. Eingebettet in die Sammlungspräsentation und in direkter Gegenüberstellung werden einerseits Parallelen sichtbar, gleichzeitig werden gewohnte Sichtweisen aufgebrochen, neue Assoziationen zugelassen und Diskurse erweitert.

RE: KOLLWITZ. Klasse für Fotografie, Prof. Heidi Specker / HGB Leipzig ist die zweite Bildstörung in dieser Reihe.

Die Arbeiten entstanden auf Anregung der Kunst­sammlungen Chemnitz anlässlich der Ausstellung »Spuren der Nähe. Käthe Kollwitz und zeitgenössische Fotografie«, Kunstsammlungen Chemnitz, 7.5. – 30.8.2026). 

Weitere Arbeiten

Stephen Stahn, Uprising (ӀӀӀ), 30 × 30 × 15 cm, Stahlblech, Found Footage, 2026 © Stephen Stahn 2026
Stephen Stahn, Uprising (ӀӀӀ), 30 × 30 × 15 cm, Stahlblech, Found Footage, 2026 © Stephen Stahn 2026
Das Bild zeigt eine Person von der Hüfte abwärts in zwei fast identischen, nebeneinander platzierten Ausschnitten. Sie trägt ein eng anliegendes, schwarzes Langarmshirt und eine klassische blaue Jeans im Used-Look, bei der die Kante der vorderen Hosentasche leicht ausgefranst ist. Der Arm der Person hängt locker an der Seite herab, wobei die Hand entspannt auf dem Denim-Stoff aufliegt.
Lucie Löchel, Die Hand, hängend, zweiteilig je 40 x 30 cm, Fine Art Print, 2026 © Lucie Löchel 2026
Das Bild zeigt eine Kupferplatte in den selben Maßen der Radierplatte von Käthe Kollwitz' 1909 entstandenem Werk "Arbeitslosigkeit"
Benjamin Friedle, Kupfer (Käthe Kollwitz: Arbeitslosigkeit, 1909), 44,4 x 54,4 cm, Kupfer, 2026 © Benjamin Friedle 2026

Programm

Dienstag
13
Okt

Kuratorinnenführung mit Lynn Busch | 17:00 – 18:00

8 Perspektiven – 1 Kollwitz

RE: Kollwitz

Dieses Kunstwerk besteht aus einer großen, minimalistischen Fläche aus graubraunem Karton, in deren oberem Drittel ein schmaler, horizontaler Schlitz eingeschnitten ist. Durch diese schieberartige Aussparung blickt man auf ein kleines, eingebettetes Farbf
Takeki Hayashida, Aber die Landschaft ist noch schön, 50 x 40 cm, Buchbinderkarton, Fine Art Print, 2026 © Takeki Hayashida 2026

Im Studienjahr 2025/26 hat sich die Klasse für Fotografie von Heidi Specker an der HGB Leipzig intensiv mit Kollwitz auseinandergesetzt. Ergebnis sind 19 Arbeiten in verschiedenen Medien – von Skulptur über Fotografie und Film bis Installation. Acht dieser Beiträge sind nun als BILDSTÖRUNG im Rahmen der Ausstellung KOLLWITZ Ausgewählt. im Kollwitz Museum Köln zu sehen. Wir laden Sie ein, diese Werke bei einem Ausstellungsrundgang mit Kuratorin Lynn Busch zu entdecken. 

Dauer: ca. 60 Min.

Treffpunkt: Museumskasse

Zielgruppe: Alle

Kosten: nur Eintritt

Rahmenprogramm zu: RE: Kollwitz

Mehr erfahren

In Kooperation mit:

Sonntag
15
Nov

Artist Tour | 16:30 – 17:30

Kollwitz weiterdenken.
Dialogführung mit den Künstler:innen Heidi Specker und Stephen Stahn

RE: Kollwitz

Das Bild zeigt das Kunstwerk - ein Wandobjekt - von Jana Ehls mit dem Titel "Was fehlt (VIII)" aus dem Jahr 2026. In einem Kasten aus Plexiglas, 60 x 88 x 5 cm, befinden sich Scherben aus Gips, offensichlich die Reste eines zerstörten Kunstwerkes.
Jana Ehls, Was fehlt (VIII), 60 x 88 x 5 cm, Gips, Plexiglas, Fine Art Print, Wandobjekt, 2026 © Jana Ehls 2026

Über ein Jahr hinweg haben sich die Studierenden aus Prof. Heidi Speckers Klasse für Fotografie an der HGB Leipzig mit Kollwitz und ihrem Leben und Schaffen auseinandergesetzt. Bei der Artist Tour mit Heide Specker und Stephen Stahn am letzten Ausstellungstag der BILDSTÖRUNG RE: KOLLWITZ berichten die Künstler:innen von ihrer intensiven Arbeit und stellen die weiteren Positionen aus der Perspektive der Kunstschaffenden vor. Dabei erfahren wir, warum sich für welches Werk von Kollwitz als Ausgangspunkt entschieden wurde, wie breit gefächert die Arbeiten ausgefallen sind und welche Bereiche vielleicht ausgeklammert geblieben sind.

Dauer: ca. 60 Min.

Treffpunkt: Museumskasse

Zielgruppe: Alle

Kosten: nur Eintritt

Rahmenprogramm zu: RE: Kollwitz

Mehr erfahren

In Kooperation mit: