Im Studienjahr 2025/26 hat sich die Klasse für Fotografie von Heidi Specker an der HGB Leipzig intensiv mit Kollwitz auseinandergesetzt. Ergebnis sind 19 Arbeiten in verschiedenen Medien – von Skulptur über Fotografie und Film bis Installation.
Acht dieser Beiträge sind nun als BILDSTÖRUNG im Rahmen der Ausstellung KOLLWITZ Ausgewählt. im Kollwitz Museum Köln zu sehen.
Die Positionen nähern sich Kollwitz aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Künstlerin, als Frau, als Zeitzeugin oder als politisch engagierter Mensch.
Sie beziehen sich auf ihr Werk, auf ihre künstlerischen Techniken ebenso wie auf ihre Selbstzeugnisse in Tagebüchern, Briefen sowie auf Fotografien. Entstanden sind Formen der Auseinandersetzung, die persönlich sind, ohne privat zu bleiben.
Manche greifen Kollwitz‘ Bildsprache oder Motive auf, andere untersuchen die materiellen Bedingungen ihres Schaffens, die Person hinter dem Werk oder Leerstellen in ihrem Œuvre.
Was sie eint, ist der Versuch, Kollwitz nicht allein historisch zu betrachten, sondern ihre Themen und ihre Haltung aus der Gegenwart heraus neu zu befragen.
Jana Ehls richtet den Blick auf das Fehlende und untersucht Leerstellen in Kollwitz’ plastischem Werk sowie das Verhältnis von Fotografie und Skulptur. Fotografien und Dokumente belegen die Existenz von über 40 Plastiken, von denen die meisten während des Krieges oder durch Kollwitz selbst zerstört wurden.
»Was fehlt (VIII)« nimmt hierbei direkten Bezug zur verworfenen Fassung des Grabdenkmals »Trauernde Eltern« und öffnet damit den Dialog zu heutigen Themen des Krieges, Gedenkens und Verlierens.
Anita Olarescu bezieht sich mit ihrem Künstlerbuch auf ein Porträtfoto der Künstlerin von Hugo Erfurth aus dem Jahr 1927. Sie deutet die Krawatte als Symbol männlich konnotierter Autorität, mit der Kollwitz ihre Identität und Geschlechterrollen bewusst relativiert.
Heidi Specker: »Mein Portrait einer Frau, B. F., hat 2016 einige Ausstellungsbesucher (v)erschreckt, verstört, irritiert. Das Bild sei zu direkt, zu ehrlich, zu ungeschönt. Aber gerade das war doch das Thema, mein Thema dieser Fotografien. Das Prekäre ganz direkt in meinem persönlichen Umfeld. Sozial, emotional, existentiell ... im Sein.
Von Käthe Kollwitz höre ich Zuspruch. Die Spannung des Prekären ist verloren, wenn der Besucher sich beim Betrachten wohlfühlt… Realismus fordert. Im Zeigen und im gezeigt werden.«
So sehr die Arbeiten von Käthe Kollwitz in Ausdruck und Botschaft unverwechselbar für sich stehen, so deutlich zeigt der Blick in die Geschichte wie auch in die Gegenwart, wie stark ihr Werk in einen fortwährenden künstlerischen Dialog eingebunden ist. Dieser Dialog reicht von einer allgemein thematischen, motivischen sowie technischen Nähe der Arbeiten anderer Künstler:innen aus allen Jahrhunderten bis hin zu einer konkreten Bezugnahme späterer Generationen auf Käthe Kollwitz.
In unserer neuen Ausstellungsreihe Bildstörung zeigen wir ab 2026 Positionen von Künstler:innen, die auf unterschiedliche Weise mit den Werken Kollwitz´ interagieren. Eingebettet in die Sammlungspräsentation und in direkter Gegenüberstellung werden einerseits Parallelen sichtbar, gleichzeitig werden gewohnte Sichtweisen aufgebrochen, neue Assoziationen zugelassen und Diskurse erweitert.
RE: KOLLWITZ. Klasse für Fotografie, Prof. Heidi Specker / HGB Leipzig ist die zweite Bildstörung in dieser Reihe.
Die Arbeiten entstanden auf Anregung der Kunstsammlungen Chemnitz anlässlich der Ausstellung »Spuren der Nähe. Käthe Kollwitz und zeitgenössische Fotografie«, Kunstsammlungen Chemnitz, 7.5. – 30.8.2026).