Käthe Kollwitz (1867–1945)
Holzschnitt, mit Deckweiß überarbeitet, Kn 165 II
Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Der Suizid ihrer Cousine Else Rautenberg (1873–1920) veranlasst Käthe Kollwitz, sich mit einem weiteren Aspekt des Todes auseinanderzusetzen: der Tod als Erlöser. Else wählte den Freitod in Folge einer psychischen Erkrankung. Das Leid der Krankheit versinnbildlicht Käthe Kollwitz mit der Dornenkrone Christi – die Tote hat sie abgelegt, alle Last losgelassen. Auch die schweren Holzschuhe sind abgestreift und damit jeglicher Kontakt zum irdischen Dasein beendet. Der Tod hält die Verstorbene sicher in seinen Armen. Er hat hier nichts Bedrohliches, sondern tritt als Freund auf.
In einem Brief an die Freundin Erna Krüger (1883–1973) schreibt Käthe Kollwitz:
»Eine Cousine von uns in den vierziger Jahren, Mutter von fünf Kindern, das jüngste 13 Jahre, erkrankte psychisch. Etwa sechs Wochen war sie in einer Anstalt. Weil ihr Zustand sich sehr besserte und sie die heftige Sehnsucht zurück zu ihren Kindern hatte, machte man den Versuch. Etwa zwei Monate ist sie zu Hause gewesen – in unserer Heimat, in Rauschen – dann hat sie sich in einer Nacht die Pulsadern aufgeschnitten. Ob das ein Zustand der Umnachtung war, ob im Gegenteil eine Stunde klaren Erkennens der traurigen Zustände und Zukunft – ich weiß es nicht.«
»Mein Arbeiten treibt neue Keime. Zum Tode - Else.«
»Das traurigste Vorkommnis in diesem Jahr war Elsens geistige Erkrankung, ihr Leben in der Irrenanstalt und ihr Suizid. Und doch, wie rasch ist man auch darüber hinweggekommen.«