Abschied und Tod

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Ich erlebte, dass neben leiblichem Kummer, leiblicher Not die Not des Menschen besteht, der unter den Gesetzen des Lebens steht. Trennung, Tod sind Begleiterscheinungen jeden Lebens. Goethe spricht vom ›Erzklang des Lebens‹.«
Käthe Kollwitz, aus einem Brief an Beate Bonus-Jeep, 1943

Der Tod als elementarer Teil des menschlichen Daseins beschäftigt Käthe Kollwitz ihr Leben lang.

In der Arztpraxis ihres Mannes im Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg wird sie nahezu täglich mit Kindersterblichkeit und Tod konfrontiert. Schon in ihren ersten großen Zyklen »Ein Weberaufstand« und »Bauernkrieg«, in denen sie den Tod als Folge von Armut und Hunger und den Verlust des Kindes thematisiert, finden diese Erfahrungen Eingang.

Doch ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Tod beschränkt sich nicht allein auf das proletarische Umfeld. Es sind vor allem ihre persönlichen Erlebnisse im engsten Umfeld, die sich besonders eindringlich in ihrem Werk niederschlagen. Die Diphterie-Erkrankung des älteren Sohnes Hans im Jahr 1908 führt zu einer ganzen Reihe von Arbeiten, die Zeugnisse der eigenen starken Verlustängste sind. Sie nehmen bereits vorweg, was die Künstlerin später, nach dem Tod des jüngeren Sohnes Peters als Kriegsfreiwilliger 1914, tatsächlich erleben muss. Auch mit dem Freitod ihrer Cousine Else Rautenberg 1920 setzt sie sich in ihrer Arbeit - in Form des Holzschnitts »Tod mit Frau im Schoß« - auseinander.

Im Jahr 1923 veröffentlicht Käthe Kollwitz unter dem Titel »Abschied und Tod« eine Mappe mit Reproduktionen von acht Zeichnungen. In diesem Zusammenhang erwähnt die Künstlerin erstmals, noch eine Folge von Druckgraphiken zu diesem Thema machen zu wollen - ein Vorhaben, das sie 1937 mit der Folge »Tod« zum Abschluss bringen wird.

In den letzten Lebensjahren ist es der Abschied von ihr nahestehenden Familienmitgliedern - dem Bruder Konrad, dem Schwager Georg Stern und ihrem Mann Karl - der sich in ihrem Schaffen niederschlägt.

Die im Werk der Künstlerin immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit dem Tod führte fälschlich zu der weit verbreiteten Annahme, Käthe Kollwitz sei ihr Leben lang schwermütig und depressiv gewesen. Doch räumt selbst ihre eigene Schwester Lisbeth Stern nach dem Tod der Künstlerin ein:

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[...] das Bild von Käthe aus ihrer früheren Zeit, als sie noch berühmt war wegen ihres Lachens mit ihrem großen Mund und den gesunden Zähnen - ihrer strömenden Kameradschaftlichkeit, die nie rechnete - ihrer Fröhlichkeit bei Festen und ihrem Talent, sich so herrlich zu verkleiden - alles das ist für mich verschlungen durch das Bild aus der letzten Zeit, das so bitter ernst war.«
Lisbeth Stern, aus: Briefe der Freundschaft, nach 1945

Werke

Käthe Kollwitz, Abschied, 1910, Kohle, gewischt, auf Ingres-Bütten, NT 616

Käthe Kollwitz, Abschied, 1910, Kohle, gewischt, auf Ingres-Bütten, NT 616

Käthe Kollwitz, Tod, Frau und Kind, 1910, Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier, Kn 108 XIII

Käthe Kollwitz, Tod, Frau und Kind, 1910, Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier,  Kn 108 XIII

Käthe Kollwitz, Tod einer Mutter das kranke Kind entreißend, verworfene Arbeit, 1911, Strichätzung, Kaltnadel und Schmirgel, Kn 119 II

Käthe Kollwitz, Tod einer Mutter das kranke Kind entreißend, verworfene Arbeit, 1911, Strichätzung, Kaltnadel und Schmirgel, Kn 119 II

Käthe Kollwitz, Tod mit Frau im Schoß, 1920/21, Holzschnitt, Kn 165 VII a

Käthe Kollwitz, Tod mit Frau im Schoß, 1920/21, Holzschnitt, Kn 165

Käthe Kollwitz, Tod und Jüngling, aufschwebend, um 1922/23, Schwarze Kreide, gewischt auf Zeichenpapier, NT 963

Käthe Kollwitz, Tod und Jüngling, aufschwebend, um 1922/23, Schwarze Kreide, gewischt auf Zeichenpapier, NT 963

Käthe Kollwitz, Abschied und Tod, 1923, Kreidelithographie (Umdruck), Kn 200 II b

Käthe Kollwitz, Abschied und Tod, 1923, Kreidelithographie (Umdruck), Kn 200

Käthe Kollwitz, Die Klage, 1938-41, Bronze, Seeler 38 I.B.3.

Käthe Kollwitz, Die Klage, 1938-41, Bronze, Seeler 38 I.B.3.

Käthe Kollwitz, Abschied, 1940/41, Bronze, Seeler 39 I.B.1.

Käthe Kollwitz, Abschied, 1940/41, Bronze, Seeler 39 I.B.1.

Käthe Kollwitz, Da stehe ich und grabe mir mein eigenes Grab, 1943, Kohle auf Zeichenkarton, NT 1286

Käthe Kollwitz, Da stehe ich und grabe mir mein eigenes Grab, 1943, Kohle auf Zeichenkarton, NT 1286


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Käthe Kollwitz Museum Köln

Neumarkt 18-24 / Neumarkt Passage

50667 Köln

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