»Aus vielen Wunden blutest du, o Volk«, 1893-1897

Nadelätzung, Kaltnadel, Aquatinta und Polierstahl, Kn 32 II

Käthe Kollwitz, »Aus vielen Wunden blutest du, o Volk«, als Schlussblatt des Zyklus »Ein Weberaufstand« vorgesehen, nicht in den Zyklus aufgenommen, 1893-1897, Nadelätzung, Kaltnadel, Aquatinta und Polierstahl, Kn 32 II

Ursprünglich wollte Käthe Kollwitz ihren Zyklus »Ein Weberaufstand« mit der symbolistischen Radierung »Aus vielen Wunden blutest du, o Volk« beschließen, die stilistisch Max Klingers Einfluss verrät. Das in der Gegenwartsform gehaltene Zitat belegt, dass Käthe Kollwitz mit ihrem »Weberzyklus« auf aktuelle Probleme anspielen wollte.

Dies verdeutlicht auch die Figur des sich auf sein Schwert stützenden Rächers. Sie soll als allegorische Gestalt der Revolution die Befreiung des Volkes ankündigen. Für die Leidenden stehen die beiden gefesselten Frauen und der liegende Leichnam vor dem Rächer, der dessen Seitenwunde vorsichtig berührt.

Der formale Rückgriff auf Hans Holbeins (1497-1536) »Christus im Grabe« beim Leichnam sowie auf die Schächer der Kreuzigung bei den Frauen muss vor dem Hintergrund von Kollwitz' Weltanschauung und der Säkularisation verstanden werden. Sie ermöglichten, Leben und Tod Christi als Synonym für das Leiden auf jeden Menschen oder ganze Bevölkerungsgruppen zu übertragen.

Der Rächer ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund der Kritik, welche die jungen sozialdemokratischen Intellektuellen, allen voran Konrad Schmidt, der Bruder von Käthe Kollwitz, an Hauptmanns Mitleidsdrama übten. In einer Rezension der Weber in  der Freien Volksbühne kritisierte er 1898 den trostlosen Ausgang des Stückes und beklagte, dass im Gegensatz zu Zolas Roman Germinal kein Ausblick auf Rache gegeben wird.

Vorzeichnung

Käthe Kollwitz, Aus vielen Wunden blutest du, o Volk, 1896, Bleistift auf weißem Bütten, NT 122

Käthe Kollwitz, Aus vielen Wunden blutest du, o Volk, 1896, Bleistift auf weißem Bütten, NT 122

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