Frau mit Kind im Schoß, Modell um 1911, vollendet 1936/1937?

Bronze, Seeler 08 I.B.1.

Käthe Kollwitz, Frau mit Kind im Schoß, Modell um 1911, vollendet 1936/37?, Bronze, Seeler 08 I.B.1.

Dieses Bildwerk gehört wohl zu den frühesten Versuchen dreidimensionaler Gestaltung von Käthe Kollwitz und ist gleichzeitig ein Bindeglied zu ihren Kleinplastiken der 1930er Jahre. Motivisch variiert es eines der Hauptthemen der Künstlerin, nämlich die Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Die gestalterische Idee, diese Beziehung zweier Figuren durch das Sitzen der einen auf oder im Schoß der anderen darzustellen, findet sich im Werk der Künstlerin wiederholt sowohl in ihrem graphischen als auch in ihrem plastischen Schaffen, wie beispielsweise in der »Liebesgruppe« und der »Pietà«. Anders als bei der letztgenannten ist das Thema ›Mutter und Kind‹ hier nicht symbolisch überhöht. Es handelt sich vielmehr um eine millieubezogene Darstellung einer in ihre Gedanken vertieften Arbeiterfrau mit ihrem Kind.

Konturen und Oberfläche sind nicht geglättet, sondern kantig und skizzenhaft angelegt. In dieser Modellierweise, die weniger Wert auf Volumina legt und statt einer durchgespannten eher eine ›flackernde‹ Oberfläche bietet, erinnert sie an die »Liebesgruppe«.

Käthe Kollwitz lässt von der Gruppe zunächst nur einen Gipsguss anfertigen, den sie über Jahre bewahrt. Beleg hierfür ist eine Lithozeichnung von 1921, die nahezu ohne Abweichung die Frontansicht der Gruppe wiederholt. Erst in den 1930er Jahren – vermutlich nach einigen letzten Überarbeitungen aus Anlass einer bevorstehenden Werkschau – wird die »Frau mit Kind im Schoß« in Bronze gegossen.

Zeichnung im Kontext

Käthe Kollwitz, Sitzende Frau mit Kind im Schoß, 1921, Lithozeichnung auf bräunlichem Papier, NT 925

Käthe Kollwitz, Sitzende Frau mit Kind im Schoß, 1921, Lithozeichnung auf bräunlichem Papier, NT 925