Turm der Mütter, 1937/38

Bronze, Seeler 35 II.B.1.

Käthe Kollwitz, Turm der Mütter, 1937/38, Bronze, Seeler 35 II.B.1.

Die Idee zu dieser Plastik entsteht bereits 15 Jahre vor Beginn der eigentlichen
Ausführung. Während der Arbeit an »Die Mütter«, dem sechsten Blatt der Folge »Krieg«, kommt ihr der Gedanke der »im Kreis stehenden Mütter, die ihre Kinder verteidigen, als Rundplastik«. (Käthe Kollwitz, Tagebücher, April 1922)

Obgleich es sich um eine Rundplastik handelt, hat die Gruppe wie alle Kollwitz-Plastiken eine eindeutige Vorderansicht, von der aus die Haltungen der Mütter vollständig in ihrer Komplexität zu erkennen sind. Im Vergleich zum Holzschnitt aus der Folge »Krieg« hat sich der defensiv-ängstliche Ausdruck in offensive Entschlossenheit gewandelt. Dies wird besonders deutlich an der sich frontal nach Außen wendenden Frau, die breitbeinig und auf festem Stand der Gefahr entgegen sieht, die Arme schützend nach hinten über die Kinder breitet.

Der »Turm der Mütter« ist eine der wenigen Plastiken von Käthe Kollwitz, die nicht aus der Zeichnung heraus als Bronze geplant, sondern auch zu Lebzeiten als solche umgesetzt wird. Im Jahr 1938 wird sie aus der Weihnachtsausstellung der Ateliergemeinschaft Klosterstraße, deren Mitglied auch Käthe Kollwitz 1934–40 ist, von den Nationalsozialisten mit der Begründung entfernt: »Im Dritten Reich haben die Mütter es nicht nötig, ihre Kinder zu schützen, da tut das für sie der Staat.«