Zwei wartende Soldatenfrauen, 1941-1943

Bronze, Seeler 43 I.B.1.

Käthe Kollwitz, Zwei wartende Soldatenfrauen, 1941-43, Bronze, Seeler 43 I.B.1.

Diese Bronzegruppe ist die letzte ausgeführte Plastik der Künstlerin. 1941 zunächst als Relief begonnen schreibt Käthe Kollwitz 1943 über die Entwicklung des Motivs in einem Brief an ihre Freundin Beate Bonus-Jeep:

to_top

… ich hab wieder was Neues vorgenommen. Es ging aus von dem alten Vorwurf in der kirchlichen Kunst von der Anna Selbdritt. Das interessiert mich formal als Thema schon lange, daß immer ein Mensch einem anderen im Schoß sitzt. Es wird wieder ein Relief, nur ist aus der heiligen Anna und der Maria und dem Kinde wieder ganz von selbst etwas ganz anderes geworden, nämlich Frauen aus der Jetztzeit, die junge Soldatenfrau hat ihr Kindchen im Schoß und sitzt wiederum im Schoß der alten Mutter …«
Käthe Kollwitz, aus: Beate Bonus-Jeep, Sechzig Jahre Freundschaft mit Käthe Kollwitz

Aus den weiteren Entwürfen verschwindet das Kind; die alte und die junge Frau bleiben als Gruppe bestehen. Aus dem gedachten Relief wird eine Vollplastik. In einem späteren Brief an ihre Freundin heißt es:

to_top

Mir passiert das ungewöhnliche Glück, nach monatelanger Pause doch wieder, wie es scheint, noch einmal was machen zu können. Thema: Immer dasselbe – Soldatenfrauen, eine Alte, Nachsinnende, eine Junge. Sie sitzen zusammen, jede in ihren Gedanken.«
Käthe Kollwitz, aus: Beate Bonus-Jeep, Sechzig Jahre Freundschaft mit Käthe Kollwitz

Die Gruppe lässt bewusst deutliche Spuren des Arbeitsprozesses erkennen. Käthe Kollwitz spielt hier mit der Oberflächenstruktur und setzt markante Unterschiede zwischen den Figuren. Im Gegensatz zu der relativ glatt gestalteten jungen Frau ist die alte wesentlich gröber gearbeitet, die Oberflächen erscheinen uneben. Die Materialwirkung des ursprünglichen Tonmodells bleibt in der Ausformung des Umhangs der Alten spürbar erhalten.

Käthe Kollwitz nimmt das noch nicht ganz fertiggestellte Bildwerk 1943 mit nach Nordhausen, als sie Berlin wegen der zunehmenden Luftangriffe verlässt. »Ich liebe das späte Kind meiner Arbeit und will es noch gegossen sehn« schreibt sie in einem Brief an eine junge Kollegin. Dies lässt sich mitten im Zweiten Weltkrieg jedoch nicht mehr verwirklichen, so dass von dieser Kleinplastik ausschließlich posthume Bronzegüsse existieren.