»Ruht im Frieden seiner Hände«, 1935/1936

Bronze, Seeler 30 III.B.1.

Käthe Kollwitz, Grabrelief

Im letzten Jahrzehnt ihres Lebens fertigt Käthe Kollwitz mehrere Grabtafeln. Die erste entsteht auf Bitten der mit ihr eng vertrauten Schwester Lise nach dem Tod deren Mannes, Georg Stern, für das Familiengrab. »Lise bittet mich eine plastische Arbeit für das Grab zu machen. Es wäre sehr schön, wenn ichs könnte. Aber schwer ist es« heißt es dazu in einem Tagebucheintrag von April 1934, kurz nach der Beerdigung des Schwagers.
Das Familiengrab beherbergt damals bereits ihren Bruder Konrad und seine Frau Anna und soll neben dem Ehepaar Stern auch sie selbst und ihren Mann einst aufnehmen. Die Grabstätte liegt auf dem Berliner Friedhof Friedrichsfelde.

Als die Künstlerin dann im Sommer 1935 die Arbeit an dem Relief aufnimmt, äußert sie sich zuversichtlicher:

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Nun habe ich es begonnen. Ich bin eigentlich verwundert darüber, daß die Grabmalkunst so gar nicht gepflegt wird. Man braucht nur einmal anzufangen und sich damit zu beschäftigen so strömen einem doch geradezu Motive entgegen.«
Käthe Kollwitz, Tagebücher, Sommer 1935

Die Darstellung beschreibt Käthe Kollwitz als »zwei große mütterliche Hände, die einen Hinübergehenden in ihren Mantel hüllen«. Als Titel wählt sie ein Zitat aus Johann Wolfgang Goethes Gedichtsammlung West-Östlicher Divan von 1819.

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Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände!«
Johann Wolfgang von Goethe, West-östlicher Divan, Erste Strophe des Gedichts ›Talismane‹