Die Straße, 1908

Kohle und Tusche auf Bütten, NT 464

Käthe Kollwitz, Die Straße, 1908, Kohle und Tusche auf Bütten, NT 464

Eine Variante dieser Zeichnung wird am 28. Dezember 1908 im Simplicissimus veröffentlicht. Sie zeigt eine nächtlichen Szene mit zwei auf einer Bank betrunken eingeschlafenen Männern und einer Frau, deren Blick und Haltung die Trostlosigkeit der Situation steigert. Die Redaktion versieht die Arbeit mit dem Titel »Jahreswende« und dem bissigen Untertext »Ich will mei'm Mann nich gratulieren, er schläft so schön.«

Das Thema Obdachlosigkeit ist ein Schwerpunkt innerhalb der Simplicissimus-Zeichnungen. Die Verelendung des Proletariats hat dazu geführt, dass viele Menschen auf der Straße leben. Sammlungspunkte bilden Parkanlagen und Plätze, auf denen Bänke aufgestellt sind.

Dass sie dort ungeschützt dem kleinkriminellen Millieu der Großstadt ausgeliefert sind, schildert Käthe Kollwitz anekdotisch auf einer Zeichnung, die ein Gaunerpärchen auf Diebestour zeigt. Der Mann steht Schmiere während die Frau einen Schlafenden bestiehlt.

Werk im Kontext

Käthe Kollwitz, Stehender Mann und sitzendes Paar, 1909, Kohle gewischt, auf Ingres-Bütten, NT 497

Käthe Kollwitz, Stehender Mann und sitzendes Paar, 1909, Kohle gewischt, auf Ingres-Bütten, NT 497