Frau mit Orange, 1901

Pinsellithographie mit orange eingefärbtem Tonstein und Radierung (Aquatinta, Reservage und Kaltnadel) mit Kohle etwas überarbeitet, auf cremefarbenem Papier, aufgelegt auf graues, löschblattartiges Papier, Kn 56 II 2

Käthe Kollwitz, Frau mit Orange, 1901, Pinsellithographie mit orange eingefärbtem Tonstein und Radierung (Aquatinta, Reservage und Kaltnadel) mit Kohle etwas überarbeitet, auf cremefarbenem Papier, aufgelegt auf graues, löschblattartiges Papier, Kn 56 II 2

Kein anderes Werk von Käthe Kollwitz bringt ihre Auseinandersetzung mit der Kunst der Nabis überzeugender zum Ausdruck als ihr farbiger Kombinationsdruck »Frau mit Orange«. Verblüffend ist die Nähe zu Pierre Bonnards 1892 entstandenem Ölgemälde »Die karierte Bluse«. Beide Werke verbindet dasselbe schmale Format, die auffallend flächige Darstellung bei gleichzeitigem Fehlen plastischer Modellierung, eine leichte Aufsicht, der vom unteren Bildrand angeschnittene Tisch sowie der trotz gewisser Differenzierungen bei Bonnard insgesamt plane Hintergrund.

Die »Frau mit Orange« wird erstmals im November 1901 auf der vierten Ausstellung der Berliner Secession gezeigt und löst in der Folge in Die Kunst für Alle, einer der populärsten Kunstzeitschriften um 1900, eine Kontroverse über Kombinationsdrucke aus. Man diskutiert dabei nicht nur das Für und Wider der Verbindung von verschiedenartigen graphischen Techniken, sondern erklärt die Künstlerin in einem Beitrag sogar zur »Erfinderin« einer Verbindung von Lithographie und Radierung.