Frau mit totem Kind, 1903

Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel und Vernis mou mit Durchdruck von geripptem Büttenpapier und Zieglerschem Umdruckpapier, Kn 81 VIII a

Käthe Kollwitz, Frau mit totem Kind, 1903, Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel und Vernis mou mit Durchdruck von geripptem Büttenpapier und Zieglerschem Umdruckpapier, Kn 81 VIII a

Wie im Fall der Farblithographie »Pietà« Kn 77 (siehe unten), entwickelt Käthe Kollwitz im Zuge ihrer Arbeit am sechsten Blatt des Bauernkriegszyklus auch diese Radierung, die sie zwar nicht in den Zyklus aufnimmt, jedoch als Einzelblatt veröffentlicht. Mit ihr fällt Kollwitz die Entscheidung, den »Bauernkrieg« schlussendlich im Tiefdruck-Verfahren zu realisieren. Unter dem Einfluss der französischen Moderne experimentiert die Künstlerin zudem mit der Wirkung unterschiedlicher, farbiger Hintergründe.

Bildfüllend und monumental präsentiert sie eine Mutter, die verzweifelt ihr totes Kind an sich presst. Die Beine im Schneidersitz übereinandergeschlagen, beugt diese ihren nackten Körper über den leblosen Knaben in ihrem Schoß. Der Kontrast zwischen den feinen, kindlichen Zügen und dem animalisch anmutenden Antlitz der Mutter verstärkt den dargestellten Schmerz um den Verlust auf dramatische Weise. Die unbändigen, leidenschaftlichen Gefühle, die in der Körperhaltung der Mutter zum Ausdruck kommen, lassen die beiden Figuren zu einer Einheit verschmelzen.

Wie aus einem Brief an Arthur Bonus 1925 hervorgeht, nimmt sich die Künstlerin selbst und ihren jüngeren Sohn Peter zum Modell für diese Komposition:

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Als er sieben Jahr alt war und ich die Radierung machte: Die Frau mit dem toten Kind, zeichnete ich mich selbst, ihn im Arm haltend, im Spiegel. Das war sehr anstrengend, und ich mußte stöhnen. Da sagte sein Kinderstimmchen tröstend: Sei man still, Mutter, es wird auch sehr schön...«
Arthur Bonus, Das Käthe-Kollwitz-Werk, 1925

Hans Kollwitz, der ältere Sohn der Künstlerin, bringt mit den Bildserien »Pietà« und »Frau mit totem Kind« den Kriegstod seines jüngeren Bruders Peter in Verbindung:

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Ich frage Mutter, woher sie schon Jahre vor dem Kriege das Erlebnis der Mutter mit dem toten Kind hatte, das fast alle ihre damaligen Bilder beherrscht. Sie glaubt, auch in diesen Jahren schon Peters Tod geahnt zu haben. Mit Weinen hätte sie an diesen Bildern gearbeitet.«
Hans Kollwitz, Briefe der Freundschaft und Begegnungen, 1966

WERKE IM KONTEXT

Käthe Kollwitz, Frau mit totem Kind, 1903, Kohle auf gelblichem Ingres-Bütten, NT 234a

Käthe Kollwitz, Frau mit totem Kind, 1903, Kohle auf gelblichem Ingres-Bütten, NT 234a

Käthe Kollwitz, Pietà, Farblithographie, 1903, Kn 77

Käthe Kollwitz, Pietà, Farblithographie, 1903, Kn 77

Käthe Kollwitz, Mutter und toter Sohn, 1903, Schwarze Kreide, NT 247

Käthe Kollwitz, Mutter und toter Sohn, 1903, Schwarze Kreide, NT 247

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