Käthe Kollwitz (1867–1945)

Gretchen, 1899

Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta und Polierstahl, in Grünschwarz, Kn 45 IV

Über das Werk

Die Augen sind leer, die Situation ausweglos. Von Schwermut gezeichnet steht die hochschwangere junge Frau auf dem Steg am Wasser und starrt hinunter auf die nächtliche Vision des personifizierten Todes. Es ist ihr Kind, das er in den Armen wiegt. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) lieferte das literarische Vorbild für diese Arbeit. In seiner Tragödie »Faust« tötet die Figur des Gretchens aus Verzweiflung ihr neugeborenes Kind. Bei Käthe Kollwitz wird Gretchen zur Projektionsfläche, um die Situation junger Frauen, die ungewollt und außerehelich schwanger wurden, künstlerisch darzustellen. Hiermit beteiligte sie sich am zeitgenössischen Diskurs zur Frauenfrage und machte die Geschlechterproblematik ihrer Zeit sichtbar.

Werk im Kontext

Käthe Kollwitz, Kniende vor einem Marienbild, um 1893, Feder in Tusche, auf festem Velin, NT 90, Käthe Kollwitz Museum Köln

Was sonst noch interessant ist

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Johann Wolfgang von Goethe, Auszug aus der Kerker-Szene, aus »Faust. Der Tragödie erster Teil«, der 1808 erschien:

»Geschwind! Geschwind!» Rette dein armes Kind. […]Fort! Immer den Weg Am Bach hinauf, Über den StegIn den Wald hinein, Links wo die Planke steht, Im Teich.Faß es nur gleich! Es will sich heben, Es zappelt noch!Rette! Rette!«