Louise Stomps (1900–1988) im Atelier, Berlin 1946/47, Foto: Elsa Thiemann, Repro: Berlinische Galerie © Margot Schmidt, Hamburg
27. März — 28. Juni 2026

LOUISE STOMPS

Konturen des Inneren

Die Bildhauerin Louise Stomps (1900–1988) führte ein kompromisslos eigenständiges Leben als Künstlerin. Ihr Werk kreist um existenzielle Erfahrungen wie Liebe, Trauer, Hoffnung und Verlust. Ausgehend von der klassischen Moderne entwickelte sie eine Formensprache, die sich behutsam von der Figur löste – der Mensch blieb aber auch in ihren zunehmend abstrakten Arbeiten stets zentraler Bezugspunkt. 
Das Kollwitz Museum Köln widmet dieser herausragenden und zu Unrecht lange Zeit nur selten ausgestellten Künstlerin nun eine umfassende Retrospektive mit rund 45 Skulpturen und 30 Papierarbeiten aus ihrem Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen.

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Es sind Linie, Form, Ausdruck — gefangen im menschlichen Urbild —, mit denen ich zu bilden suche, was ich zu sagen habe!«
Louise Stomps, 1947

Louise Stomps, Das Paar I, 1937, Eiche, H 45 cm, Berlinische Galerie © Nachlass Louise Stomps
Louise Stomps, Das Paar I, 1937,
Eiche, H 45 cm, Berlinische Galerie
© Nachlass Louise Stomps

Figur und Ausdruck
Während der Weimarer Republik erhält Stomps ihre Ausbildung in Berlin. Bereits bei ihren frühen Skulpturen in Holz, Gips und Stein interessiert sie weniger das naturgetreue Abbild als die Frage, wie innere Bewegung und Spannung in eine reduzierte Form übersetzt werden können. Parallel entstehen erste grafische Arbeiten, in denen sie Linie und Fläche als eigenständige Ausdrucksmittel erprobt.

Widerstand, Verlust und Neubeginn
Aus politischer Überzeugung zieht sich Stomps während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Nachdem 1936 Werke von Kollwitz und Barlach aus Ausstellungen entfernt werden, sieht auch sie sich und ihre Kunst nicht länger als Teil des Kulturbetriebs und stellt nicht mehr aus.
Bombenangriffe zerstören 1943 Wohnung, Atelier und den Großteil ihres bisherigen Œuvres.

Nach 1945 findet sie durch ihre eindringlichen Figuren eine neue Sprache für Kriegserfahrung, Verlust und Trauer. Stomps erfährt neue Beachtung im Berliner Kunstbetrieb – Ausstellungen und Auszeichnungen folgen.

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Die Hauptsache ist nicht die äußere Gestalt, sondern das Innere,
das Seelische.«

Louise Stomps, 1987

Louise Stomps bearbeitet eine Figur aus Holz in ihrer Werkstatt in der Kumpfmühle bei Rechtmehring, 1987, Foto: Amrei-Marie
Louise Stomps in ihrer Werkstatt in der Kumpfmühle
bei Rechtmehring, 1987, Foto: Amrei-Marie

Neue Freiheit 
1960 erwirbt Stomps eine alte Wassermühle in Oberbayern und schafft dort überlebensgroße Holzskulpturen. Sie folgt nun dem Material selbst: Wuchs, Maserung und Astlöcher werden zu Impulsgebern der Form.

Unabhängig bleibt sie auch hier – mit dem Motorrad durchquert sie bis ins hohe Alter das bayerische Land bis nach Italien. Diese Freiheit spiegelt sich auch in ihrem Spätwerk wider: Organische Formen rücken in den Fokus ihrer skulpturalen Arbeiten ebenso wie ihrer Tusche- und Kugelschreiberzeichnungen

Nach der ersten Retrospektive des Vereins DAS VERBORGENE MUSEUM in der Berlinischen Galerie 2021 macht das Kollwitz Museum Köln diese wichtige Bildhauerin des 20. Jahrhunderts nun erneut sichtbar – in teils großformatigen Arbeiten aus Stein und Holz, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie in einer eigens für die Ausstellung produzierten filmischen Dokumentation.

Katalog zur Ausstellung

Katalog: Louise Stomps. Natur gestalten

LOUISE STOMPS
Natur gestalten. 1928-1988
Skulpturen und Zeichnungen
Hrsg. von Marion Beckers und Elisabeth Moortgat

224 Seiten, 185 Abbildungen in Farbe
23 x 28 cm, gebunden
Texte in deutscher Sprache mit englischem Anhang
Hirmer, München 2021
ISBN: 978-3-7774-3776-7

Museumspreis: 29,00 €
Erhältlich in unserem Museumsshop
oder per E-Mail an museum@kollwitz.de

Galerie

Louise Stomps, Hockender, 1946, Holzschnitt, 246 x 221 mm, Nachlass Louise Stomps © Nachlass Louise Stomps, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Ohne Titel, 1948, Tusche und Aquarell, 405 x 430 mm, Nachlass Louise Stomps © Nachlass Louise Stomps, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Ohne Titel, 1951, Tusche, Aquarell, Deckweiß, 370 x 500 mm, Nachlass Louise Stomps © Nachlass Louise Stomps, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Sitzende, 1928, grüner Sandstein, H: 270 mm, Nachlass Louise Stomps, Nachlass Louise Stomps, Courtesy Das Verborgene Museum, Foto: Enric Duch, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Das Paar, 1937, Eiche, H: 455 mm, Berlinische Galerie © Nachlass Louise Stomps, Foto: Kai-Annett Becker/ Berlinische Galerie, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Kauernde, 1946/47, Marmor, H: 250 mm, Nachlass Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt © Nachlass Louise Stomps, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Trauernde, 1951, Erle, H: 420 mm, Privatbesitz © Nachlass Louise Stomps, Courtesy Das Verborgene Museum, Foto: Martin Weiand, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Sklave, 1965, Ahorn, H: 600 mm, Nachlass Louise Stomps © Nachlass Louise Stomps, Foto: Friedhelm Hoffmann, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Asket, 1962, Föhre, H: 3050 mm, Nachlass Stomps © Nachlass Louise Stomps, Courtesy Das Verborgene Museum, Foto: Friedhelm Hoffmann, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Louise Stomps, Laokoon, 1977, Inn-Eiche, H: 1620 mm, Privatbesitz Dr. Meindl, Wasserburg am Inn © Nachlass Louise Stomps, Courtesy Das Verborgene Museum, Foto: Martin Weiand, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Führungen und Veranstaltungen

Sonn- u. Feiertage

15 Uhr

Do

17 Uhr

Öffentliche Führungen

Louise Stomps — Konturen des Inneren

Dauer: ca. 45 Minuten
Kosten: nur Eintritt

Die Teilnahmezahl ist begrenzt.
Reservierungen für dieses Angebot sind leider nicht möglich. Teilnahmetickets ab 60 Minuten vor Beginn an der Museumskasse.

Louise Stomps (1900–1988) führte ein kompromisslos eigenständiges Künstlerinnenleben. Ausgehend von der klassischen Moderne entwickelte sie eine Formensprache, die sich behutsam von der Figur löste – der menschliche Körper blieb aber auch in ihren zunehmend abstrakten Arbeiten stets zentraler Bezugspunkt. In der öffentlichen Führung laden wir Sie ein, Leben und Werk der zu Unrecht lange Zeit nur selten ausgestellten Bildhauerin zu entdecken

jeder 1. Do
im Monat

19 Uhr

Öffentliche führung am langen donnerstag

Feierabend!
Die Führung mit Mini-Workshop am »Langen Donnerstag«

Dauer: ca. 60 Minuten
Kosten: Eintritt frei!, 2€ Material

Die Teilnahmezahl ist begrenzt.
Reservierungen für dieses Angebot sind leider nicht möglich. Teilnahmetickets ab 60 Minuten vor Beginn an der Museumskasse.

Wie findet Louise Stomps zu Ihren Motiven? Welche Ausdrucksmittel nutzt sie und wie entwickelt sie ihren Materialeinsatz über die Jahrzehnte ihrer künstlerischen Tätigkeit weiter?
Bei unserer Feierabend-Führung am »Langen Donnerstag« gibt es Antworten auf diese Fragen – und die Gelegenheit, in unserem neuen Kreativraum selbst künstlerisch tätig zu werden.

ab Fr

24.4.2026

17-20 Uhr

Workshop Bildhauerei und Plastik für Erwachsene

»…das unendliche Spiel der Formen und Linien«

Kosten: 210 € inkl. Material

Anmeldung bis 17.4.2026
unter museum@kollwitz.de

Für die Bildhauerin Louise Stomps steht ebenso wie für Käthe Kollwitz der Mensch im Zentrum des künstlerischen Schaffens – sei es als klassisch figuratives Körperbild oder als abstrakte Figuration.
Inspiriert von den Plastiken der beiden Künstlerinnen führt der Workshop unter professioneller Anleitung der Bildhauerin Katrin Kleinau sowohl in das figürliche Gestalten als auch in das Modellieren eines Kopfes, einer Maske, eine Gesichts ein. Anhand eines lebenden Modells entstehen Tonskulpturen, die auch zum späteren Brennen vorbereitet werden können.

Dreitägiger Workshop
Fr, 24.4.2026, 17-20 Uhr
Sa, 25.4.2026, 11-18 Uhr
So, 26.4.2026, 11-16.30 Uhr

Mi

6.5.

18.30 Uhr

Talk im Kollwitz

Bildhauerinnen im 20. Jahrhundert

Dauer: ca. 60 Minuten
Kosten: 10 €, erm. 7 € (inkl. Ausstellung)

Tickets unter museum@kollwitz.de,
Tel 0221 / 227-2899 oder ab 60 Minuten vor Beginn an der Museumskasse.

VORTRAG VON DR. ARIE HARTOG, BREMEN
Ab 1919 konnten Frauen in Deutschland an Kunstakademien studieren. Damit stand ihnen in der Theorie die Künstlerinnen-Laufbahn offen. Was Malerinnen und Grafikerinnen gelang, kennen wir zum Teil, doch wie verhält es sich mit den Bildhauerinnen im 20. Jahrhundert?
Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, wirft einen Blick auf die Geschichte der Bildhauerinnen im vergangenen Jahrhundert. Wen kennen wir, wer konnte in den zurückliegenden Jahren entdeckt werden und wen gilt es vielleicht noch einem breiteren Publikum vorzustellen. Arie Hartog nimmt in seinem Vortrag das Publikum mit auf einen Streifzug zur weiblichen Seite der Bildhauerei-Geschichte.

Weitere Führungen und Workshops - auch für Kinder! - finden Sie in der Veranstaltungsübersicht

Adresse

Käthe Kollwitz Museum Köln

Neumarkt 18-24 / Neumarkt Passage

50667 Köln

+49 (0)221 227 2899

+49 (0)221 227 2602

Öffnungszeiten

Di bis So

11 - 18 Uhr

Feiertage

11 - 18 Uhr

Erster Do im Monat

11 - 21 Uhr

Montags

geschlossen

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag: 11 — 18 Uhr

Erster Donnerstag im Monat: 11 — 21 Uhr

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