Plakat »Die Überlebenden«, 1923

Kreide- und Pinsellithographie sowie Schabnadel (Umdruck), Kn 197 II b

Käthe Kollwitz, Plakat »Die Überlebenden«, 1923, Kreide- und Pinsellithographie sowie Schabnadel (Umdruck), Kn 197 II b

1922 erhält Käthe Kollwitz die Aufforderung des Internationalen Gewerkschaftsbundes, ein Plakat für den ersten internationalen Antikriegstag 1924 zu schaffen. In einem Brief an ihre Freundin Beate Bonus-Jeep äußert sich die Künstlerin über diese Arbeit, für die sie anfänglich erneut das Thema des vorletzten Blattes der Kriegsfolge (»Mütter«) vorgesehen hat.

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Der [Gewerkschaftsbund] wittert alle neuen schreckensvollen Kriegsmöglichkeiten und will eine Gegenpropaganda machen. Große Plakate, die sinnfällig die Kriegsfolgen vor Augen führen, werden in vierzehn europäischen Ländern verbreitet. [...] Da kannst Du Dir denken, wie ganz und gar ich dabei bin, das zu machen. Zuerst wollte ich es so machen: auf den großen weißen Plakatbogen in einen schwarzen Klumpen zusammengedrängt, wie Tiere, die ihre Brut verteidigen, Frauen, die ihre Kinder schützen. Als Text sollte darunter stehen: Wir haben unsere Kinder nicht zum Kriege geboren. - Aber die Amsterdamer Leute wollen durchaus einen Entwurf haben, der die Überlebenden zeigt, und so will ich es denn jetzt auch machen. Eltern, Witwen, Blinde, um sie herum die Kinder mit ihren angstvoll fragenden, ratlosen Augen und den blassen Gesichtern.«

Das Plakat wird in mehreren Sprachen veröffentlicht, u. a. in der hier gezeigten Ausführung in Dänisch.