Plakat »Für Groß Berlin«, 1912

Kreide- und Pinsellithographie (Umdruck), Kn 122 I

Käthe Kollwitz, Plakat »Für Groß Berlin«, 1912, Kreide- und Pinsellithographie (Umdruck), Kn 122 I

Wie schon das erste Plakat zur Heimarbeit-Ausstellung 1906 führt auch die zweite angewandte Arbeit von Käthe Kollwitz, das Plakat »Für Groß Berlin«, zu einem Eklat.

Es kündigt eine Versammlung gegen die Wohnungsnot in Berlin an: »600000 Gross-Berliner wohnen in Wohnungen in denen jedes Zimmer mit 5 und mehr Personen besetzt ist. Hunderttausende von Kindern sind ohne Spielplätze.«Neben dem Text ist ein ernstes Mädchen mit seiner Schwester auf dem Arm in einem tristen Hinterhof zu sehen. Sie stehen vor dem damals weit verbreiteten Schild: »Das Spielen auf den Höfen und Treppenfluren ist verboten.« Obwohl Käthe Kollwitz in der endgültigen Fassung auf das anklagende Element eines kleinen Jungen, der aus Ermangelung an Spielgeräten an einem Kanaldeckel herumspielt, verzichtet, lässt der Berliner Polizeipräsident das Plakat wegen Aufreizung zum Klassenhass entfernen. 

Im Gegensatz zu späteren Plakaten scheint Käthe Kollwitz bei diesem keinen Einfluss auf die Textgestaltung genommen zu haben. Die Buchstaben sind gegenüber der Zeichnung etwas zu groß und befinden sich zu dicht über dem Kopf der Kindergruppe. Die Künstlerin selbst stellt in einem Brief an ihren Sohn Hans fest: »Das Plakat gegen die Mietswohnungen hat leider keine Fernwirkung und ist in den Text ganz hineingeklemmt. Ich bin ganz unzufrieden damit.« (Käthe Kollwitz, Briefe an den Sohn, 3. 3. 1912)