Plakat »Wien stirbt! Rettet seine Kinder!«, 1920

Kreidelithographie in bis zu zwei Farben (Umdruck, bei der Schrift von geripptem Bütten), Kn 148 II

Käthe Kollwitz, Plakat »Wien stirbt! Rettet seine Kinder!«, 1920, Kreidelithographie in bis zu zwei Farben (Umdruck, bei der Schrift von geripptem Bütten), Kn 148 II
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Ich habe wieder ein Plakat zu machen übernommen für eine große Hilfsaktion für Wien. [...] Ich will den Tod machen. Wie er die Hungerpeitsche schwingt, und tief gebückt, schreiend und stöhnend die Menschen - Frauen-Kinder-Männer - an ihm vorbeiziehn.«
Käthe Kollwitz, Tagebücher, 5. Januar 1920

Käthe Kollwitz wird seit 1919 mit Aufträgen gegen die Not der Nachkriegsjahre geradezu überschüttet. Die Künstlerin empfindet die neue Verantwortung durchaus als Belastung, entzieht sich ihr aber nicht. Dies verdeutlichen auch die Überlegungen, die sie in ihrem Tagebuch im Zusammenhang mit diesem Plakatentwurf zugunsten der hungernden Kinder Wiens anstellt:

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Während ich zeichnete und die Angst der Kinder mich mitweinen machte, hatte ich so recht das Gefühl der Last, die ich trüge. Ich fühlte, daß ich mich doch nicht entziehen dürfte der Aufgabe, Anwalt zu sein. Ich soll das Leiden der Menschen, das nie ein Ende nimmt, das jetzt bergegroß ist, aussprechen. Ich habe den Auftrag, aber er ist gar nicht leicht zu erfüllen.«
Käthe Kollwitz, Tagebücher, 5. Januar 1920

Es kommt schließlich nie zu einer Plakatierung dieses Aufrufs, da die Hilfsaktion für Wien wegen der sich ebenso verschärfenden Notlage in Deutschland nicht durchgeführt werden darf.