»Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden«, 1941

Kreidelithographie, Kn 274

Käthe Kollwitz, »Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden«, 1941, Kreidelithographie, Kn 274

Dem Blatt liegt das Goethe-Zitat aus dem Lehrbrief , dem 7. Buch von Wilhelm Meisters Lehrjahre, zu Grunde. Mit genau diesem Zitat hat sie schon ihren offenen Brief gegen Dehmel am Ende des Ersten Weltkrieges beschlossen.

In ihrem Tagebuch schreibt die Künstlerin über die Entstehung des Blattes:

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Ich beschließe noch einmal – zum 3. Mal – dasselbe Thema aufzunehmen und sagte zu Hans vor ein paar Tagen: Das ist nun einmal mein Testament: ›Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden‹ […] Ich zeichnete also noch einmal dasselbe: Jungen, richtige Berliner Jungen, die wie junge Pferde gierig nach draußen wittern, werden von einer Frau zurückgehalten. Die Frau (eine alte Frau) hat die Jungen unter sich und ihren Mantel gebracht, gewaltsam und beherrschend spreitet sie ihre Arme und Hände über die Jungen. ›Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden‹ – diese Forderung ist wie ›Nie wieder Krieg‹ kein sehnsüchtiger Wunsch, sondern Gebot. Forderung.«
Käthe Kollwitz, Tagebücher, Dezember 1941