Weiblicher Akt, um 1904

Kohle auf blaugrauem Bütten, NT 318

Käthe Kollwitz, Weiblicher Akt, um 1904, Kohle auf blaugrauem Bütten, NT 318

Die Hochachtung der Künstlerin gegenüber dem Werk von Auguste Rodin manifestiert sich unter anderem in der Zeichnung dieses hockenden weiblichen Aktes. Angeregt von Rodins Plastik »Kauernde« von 1881 fasst Kollwitz ihre Dargestellte in eine hermetische Kontur, bei der der rechte Arm gegenüber der lang gezogenen Linie der Schulterpartie einen nahezu rechten Winkel einnimmt.

Die Anatomie des knochigen Modells ist genau beobachtet und doch durch die komprimierte Haltung mit den eng angezogenen Beinen, den dicht umschließenden Armen und dem weit nach rechts geneigten Kopf soweit abstrahiert, dass eine kompakte, annähernd quadratische Form entsteht.

Der ausgesprochen schönlinige Akt, der einerseits einen Schwerpunkt auf plastische Werte, andererseits auf die Kontur legt, steht ganz in der Tradition zeitgenössischer Bildhauerzeichnungen. Er wird von der Forschung um 1904 datiert, dem Jahr also, in dem sich die Künstlerin mehrere Wochen an der Académie Julian mit den Grundlagen des plastischen Gestaltens vertraut macht.