Not, Blatt 1 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand”, 1893-97, Kreide- und Federlithographie, Schabeisen und Schabnadel, Kn 33 II (Kl 34 II a)
© VG Bild-Kunst, Bonn 2005

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Nach einer Selbsteinschätzung der Künstlerin von 1941 war der "Weberzyklus" zeitlebens ihr bekanntestes Werk. Es entstand im Anschluss an den Besuch der Uraufführung des Hauptmannschen Dramas "Die Weber" von 1893 bis 1897.

Aufgrund technischer Unsicherheiten lithographierte die Künstlerin schließlich die ersten drei Blätter, nur die letzten drei gelangen ihr als Radierungen. Die beiden einleitenden Arbeiten schildern ganz allgemein die Ursachen des Aufstandes anhand der materiellen Not der Weber.

Das erste Blatt "Not" zeigt die stumme Verzweiflung einer Mutter, die sich über ihr krankes, bereits vom Tod gezeichnetes Kind beugt. Auf dem zweiten Blatt "Tod" holt dieser eine Frau aus ihrer Familie, wobei der umgestülpte Napf auf dem Tisch keinen Zweifel an ihrer Todesursache zulässt. Das dritte Blatt "Beratung" hat die Planung der Revolte zum Inhalt. Es zeigt vier konspirativ um das hintere Ende eines Tisches versammelte Männer.

Die weiteren drei Blätter thematisieren Ausbruch, Höhepunkt und Zusammenbruch der Revolte: Sie beginnt auf dem vierten Blatt mit dem Zug der Weber zum Haus ihres Arbeitgebers, wo es, wie das fünfte Blatt "Sturm" zeigt, schließlich zu Ausschreitungen kommt.
Das letzte Blatt "Ende" verdeutlicht die gewaltsame Beendigung der Revolte durch Militär: Zwei Frauen trauern um die Gefallenen, von denen ein weiterer gerade zur Tür hereingetragen wird. Pulverdampf verrät die noch anhaltenden Kämpfe.

1898 gelang Käthe Kollwitz mit ihrem Weberzyklus auf Anhieb auf der "Großen Berliner Kunstausstellung" der künstlerische Durchbruch.
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