Losbruch, Blatt 5 aus dem Zyklus „Bauernkrieg”, 1902/03, Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Reservage sowie Vernis mou mit Durchdruck von zwei Stoffen und Zieglerschem Umdruckpapier, 
Kn 70 (Kl 66) © VG Bild-Kunst, Bonn 2005

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Käthe Kollwitz erhielt für ihren zweiten für die "Verbindung für historische Kunst" entstandenen Zyklus "Bauernkrieg" (1901-1908) den von Max Klinger gestifteten Villa Romana-Preis. Der Aufbau des "Bauernkriegs" ähnelt stark dem des ersten Zyklus "Ein Weberaufstand", aber im Gegensatz zu jenem spielen Frauen nun eine weitaus größere Rolle.

Am Anfang stehen wieder die Ursachen der Erhebung, bei denen es sich in diesem Fall um Unterdrückung und Rechtlosigkeit handelt. Auf dem ersten Blatt "Pflüger" veranschaulicht Käthe Kollwitz dies anhand eines Vaters und seines Sohnes, die wie Zugtiere vor den Pflug gespannt sind, auf dem zweiten Blatt "Vergewaltigt" durch eine in ihrem verwüsteten Garten liegende missbrauchte Bauersfrau. Die zertretenen und umgeknickten Pflanzen - die detaillierte Wiedergabe von Natur ist singulär im Werk von Käthe Kollwitz - stehen symbolisch für das zerstörte Leben der Frau.

Das dritte Blatt "Beim Dengeln" thematisiert wie schon im Weberzyklus den heranreifenden Entschluss zum Widerstand, in diesem Fall verkörpert durch eine einzelne Frauengestalt, die ihre Sense wetzt, als Symbol der Kampfbereitschaft. Mit der "Bewaffnung in einem Gewölbe" folgt der Aufstand der Bauern, der auf dem "Losbruch" ausbricht. In der Frau, welche auf diesem Blatt die Bauern anfeuert, stellte Käthe Kollwitz die so genannte  "schwarze Hofmännin" dar, eine historisch für den Bauernkrieg bezeugte Frauengestalt.

Die "Bauernkrieg" endet wie der Weberzyklus mit dem Zusammenbruch der Erhebung, die auf den beiden letzten Blättern thematisiert wird: Eine Frau sucht in der Nacht nach der Schlacht im Schein der Laterne auf dem "Schlachtfeld" unter den Toten ihren gefallenen Sohn. "Die Gefangenen", ein Haufen zusammengetriebener Bauern, erwarten ihre Hinrichtung.
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